Im Labor für Zweckentfremdung wird hartnäckig an der Entwicklung möglichst vieler Potenziale der entsorgten Produkte gearbeitet. Im Upcycling findet ein Richtungswechsel des üblichen Designprozesses statt. Die vorrangige Problemstellung ist hier das Material, ist die Frage welche Möglichkeiten sich aus dem eigenartigen Rohstoff, der hier ein (untauglich gewordenes) Endprodukt darstellt, ergeben.
Die Entwürfe müssen deshalb z.T. radikal über das Bekannte hinaus denken, Herstellungsprozesse neu gestalten, Lösungen für bisher unerprobte Transformationen finden. Die überraschende Vehemenz mit der sich das Material teils gegen seine Metamorphose sperrt, macht das praktische Experiment für den Entwicklungsprozess unverzichtbar und die Herstellung der Upcycling-Unikate handwerklich herausfordernd.
Auch wenn die meisten Upcycling-Resultate auf den ersten Blick keine verbindende Ästhetik teilen, gemeinsam ist ihnen die Wertschätzung der in den weggeworfenen Sekundärprodukten steckenden Ressourcen. Die Upcycling-Produkte tragen deshalb meist deutlich sichtbar die Spuren ihres ersten Lebens. Die ursprüngliche Identität, wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar, erinnert an die für ihre Entwicklung und Herstellung aufgewandte Energie.
Ihre Patina bewahrt ihre Geschichte. Macken, Löcher, Farbreste erzählen nicht nur vom ersten Leben der entsorgten Gegenstände. Sie zeugen auch davon, dass Wegwerfen leider der ganz normale Umgang mit Ressourcen in der linearen Wirtschaft ist. Mit ihren Gebrauchsspuren und der Entrückung aus dem Originalkontext deuten die Upcycling-Objekte auf diese systemische Irrationalität der Überflussgesellschaft hin und fordern einen radikal anderen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ein: Erhalten statt Wegwerfen! Kreislauf statt Linie!
Weitere Facetten des Upcyclings als Prototyping für eine bessere Welt, umkreise ich in meinen Blog-Beiträgen etwas weiter. Z.B. zu den Themen: